Weiterbildung

Qualifizierung von Mitarbeitern als lohnender Invest
Das Institut für Akademische Weiterbildung (IAW) der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) interviewte Prof. Stummeyer über die Digitalisierung als Chance für Unternehmen. Lesen Sie hier das komplette Interview:

Wie können Unternehmen die Chancen, welche die digitale Transformation bietet, für sich nutzen?
Um die Chancen umfassend zu nutzen, müssen alle Ebenen des unternehmerischen Handelns überprüft werden. Auf der strategischen Ebene sollte das eigene Geschäftsmodell weiterentwickelt oder ganz neu erfunden werden. Dies kann der Fall sein, wenn in der Zukunft beispielsweise die Kunden statt althergebrachter Produkte nun neu definierte Lösungen benötigen oder das bisherige Wertversprechen zukünftig nicht mehr funktionieren wird. Auf der operativen Ebene gilt es im Rahmen der digitalen Transformation die Effizienz und Effektivität weiter zu steigern, beispielsweise durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Devise heißt: ganzheitlich an die digitale Transformation heranzugehen.

Wo liegen die Erfolgsfaktoren, um den digitalen Wandel im Unternehmen erfolgreich zu gestalten?
Ich sehe drei Faktoren, die zum Erfolg führen: Erstens intelligent analysieren, zweitens kreativ gestalten und drittens konsequent umsetzen. Zunächst müssen Marktrends, Entwicklungen und neue Technologien erkannt und gründlich analysiert werden. Dann braucht es Kreativität, Kundenverständnis und unternehmerisches Bauchgefühl, um den für das eigene Unternehmen richtigen Weg zu entwerfen. Und schließlich müssen Unternehmen schnell, entschlossen und agil agieren und die definierten Themen konsequent umsetzen. Für alle Faktoren braucht es eine offene Unternehmenskultur sowie Mut, Neugierde und Optimismus.

Welche Schlüsselkompetenzen sind von Mitarbeitern zukünftig gefordert?
Die Mitarbeiter der Zukunft müssen die Kunden der Zukunft verstehen. Insofern ist Markt- und Kundenverständnis, sowohl im B2B als auch im B2C-Geschäft elementar, um nachhaltig und langfristig erfolgreich zu sein. Ein umfassendes Technologieverständnis ist ebenfalls hoch relevant. Mitarbeiter müssen Chancen der Digitalisierung erkennen und verstehen, wie z.B. Vernetzung und das Internet der Dinge (IoT), Data Analytics, Künstliche Intelligenz oder die Blockchain die Unternehmenswelt verändern. Auch Kreativität ist und bleibt weiterhin wichtig, um die beste Lösungen für das eigene Unternehmen zu definieren und nicht nur eine schlechte Kopie eines Wettbewerbers abzuliefern. Mitarbeiter müssen in digitalen Geschäftsmodellen denken können und durch Ausbildung und Erfahrung ein sicheres Business Judgement erworben haben. Operativ ist sicher das Management von agilen Projekten von zunehmender Bedeutung. Statt einer Wasserfall-Planung kommen agile Methoden wie Design Thinking zum Einsatz. Auch so wird die Kundenperspektive frühzeitig in Entwicklungsprojekte integriert.

Wie müssen wir uns die Zukunft des Arbeitens vorstellen?
Hier wird es eine ganze Reihe von positiven Veränderungen geben. Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird Mitarbeiter noch öfter von Routineaufgaben entlasten, es bleibt mehr Raum für Kreativität. Mitarbeiter werden sich zukünftig noch stärker als heute zum Intrapreneur, dem angestellten Unternehmer im Unternehmen entwickeln und versuchen, ihren Aufgabenbereich unternehmerisch-verantwortungsvoll zu führen. Damit einher geht auch, dass traditionelle hierarchische Führungsstrukturen aufgebrochen werden und neue Kooperationsmodelle entstehen werden.

Warum ist die Qualifizierung von Mitarbeitern im Bereich der digitalen Themen langfristig ein lohnendes Investment für Unternehmen aller Branchen und Größen?
Das Unternehmen investiert in die eigene Zukunftsfähigkeit, wenn es Mitarbeiter zu digitalen Themen qualifiziert. Denn diese qualifizierten Mitarbeiter sind in der Lage, die Chancen in der digitalen Transformation strategisch zu erkennen und operativ erfolgreich umzusetzen. Und das gilt für den Baustoffhändler vor Ort genauso wie für den globalen Technologiekonzern.